Ausgabe Nr. 11 (1888) für den Monat November 2014

2014 gada 26. novembrī / Autors: Johannes Baumann

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Die Freunde und das Vaterland. Erzbischof Jānis Vanags.

Vom 27. bis zum 29. Oktober fand in Rom ein Treffen der Leiter der Kirchen Europas des Lutherischen Weltbundes statt. Die italienischen Lutheraner berichteten auch über ihre Arbeit mit den Flüchtlingen auf der italienischen Insel Lampedusa, die nur 200 km von den Ufern Afrikas entfernt ist.. Seit dem Beginn der Revolutionen im Norden Afrikas kamen Zehntausende von Flüchtlingen zur kleinen Insel, als ob sie dort das Gelobte Land finden würden. Dabei kam es nicht selten vor, dass viele Hundert Menschen im Meer ertranken. Mit besonderer Brutalität fielen dabei die Vertreter der islamistischen Terrororganisation IS über die Christen her. Männer und Kinder wurden ermordet, Frauen und Mädchen wurden in Bordellen aus  der Kriegszeit untergebracht und auf dem Sklavenmarkt verkauft. Das alles geschieht jetzt wenige Tausend Kilometer von uns entfernt an unseren Brüdern und Schwestern im Glauben.

Weder das kleine Lampedusa noch das ganze Italien waren auf einen solchen Flüchtlingsstrom vorbereitet.. Am Ende des Treffens forderten die Kirchenleiter in einer Erklärung dazu auf, sich an die Regierungen zu wenden, um eine Änderung der Bestimmungen der EU durchzusetzen, in denen die Flüchtlinge gezwungen werden, in dem Lande der EU zu bleiben, das sie zuerst erreicht hatten.. In der Erklärung heißt es: “Wir möchten diesen Kindern Gottes beistehen, unabhängig von ihrer Religion, Konfession, ihrem Geschlecht und ihrer Herkunft, und ihnen die Möglichkeit geben, sich in das Land der EU zu begeben, das sie erreichen wollen.”

Uns könnte dieser Aufruf nur schwer verkraftbar erscheinen. Das Vermögen der Länder des Westens, Eingereiste aufzunehmen, ist unvergleichlich größer, und dennoch haben sie es mit schweren Problemen der Integration zu tun.. Lettland ist bis heute noch nicht mit den Folgen der Besatzungszeit fertig geworden, in der die Zahl der Eingereisten oft die Zahl der Letten übertraf. Es ist die Absicht eines Nationalstaates, dem Volk die Möglichkeit der Kultur, der Lebensweise, der Sprache und ihrer Werte zu bewahren.. Der Gedanke, dass sich die Flüchtlingsströme “unabhängig von ihrer Religion und ihrer Herkunft” in die Richtung eines jeden Landes der EU ergießen könnten, hört sich für manche Ohren wie das Ende der Hoffnung auf das Bestehen des Freien Lettlands an. Einige Menschen haben mir gesagt, dass sie die Nachricht von jedem gesunkenen Flüchtlingsschiff erleichtert aufgenommen hätten. Bei dieser Schere zwischen der Bedrohung und dem Gewissen fällt es leicht, einen Ausweg zu suchen, zum Beispiel im Rassismus. “Mögen sie  ertrinken, es sind doch nur Afrikaner.” Oder auch im Nationalismus, der sagt: “Lass doch die Russen ihre Koffer packen und sich in ihr Russland zurück begeben.”

Patriotismus und Nationalismus als Stolz auf das eigene Land und die eigene Kultur sind wichtige Werte, ohne die ein Staat nicht bestehen kann. Dennoch dürfen wir sie nicht so weit vergöttern, dass wir in ihrem Namen anfangen, die allgemeinen humanitären und christlichen Grundsätze beiseite zu schieben. Wenn wir das tun, dann  vernichten wir in uns die Fähigkeit, ein eigenes Vaterland zu bauen, in dem wir gerne leben möchten.. Rainer Maria Rilke hat einmal gesagt: “Mein Vaterland ist dort, wo meine Freunde sind.” Sind wir dazu in der Lage, unser Vaterland zusammen mit den Rassisten zu erbauen, für die der Patriotismus die Vernichtung der Schwarzen und der Hass gegenüber den anderen bedeutet? Möchtet ihr wirklich in einem solchen Vaterlande leben? Welche Rolle spielen wir in diesem Fall? Sollten wir dann nicht lieber selbst die Koffer packen und gen Osten reisen, wo wir vielleicht mehr Gesinnungsgenossen finden werden?

Hunderttausende von Letten haben sich als Wirtschaftsflüchtlinge auf die Reise in andere Länder begeben. Viele von uns haben dort sogar Hilfswerke für Touristen gegründet auf

Kosten der Steuerzahler und damit den Unwillen der einheimischen Bevölkerung erregt. In der labilen Situation Lettlands ist es wichtig, darauf zu achten, wer unsere Freunde sind.. Und wir sollten die verfolgten Christen nicht aus den Augen verlieren, die aus ihren Ländern fliehen, nicht um bessere Verdienstmöglichkeiten zu suchen, sondern um ihren Kopf zu retten. Mögen sie uns noch so exotisch erscheinen, uns verbindet eine sehr wichtige Verwandtschaft, denn unsere Zivilisation wird durch den Wertebegriff geprägt, durch den sie geschaffen worden ist. Uns alle, die Gläubigen und die Ungläubigen, haben die christlichen Werte geprägt, was auch aus unserer Verfassung hervorgeht. Politisch korrekt ist natürlich die Unabhängigkeit von der Religion, der Konfession und der Herkunft, doch, wie es Egils Levits bereits richtig erkannt hat, kann man von Diskriminierung sprechen, wenn man den gegenteiligen Standpunkt nicht vernünftig begründen kann? Eine vernünftige Begründung ist eine positive Diskriminierung zu Gunsten der Christen, die unter dem brutalen Genozid zu leiden haben, Sollte Lettland als Land der EU in die Flüchtlingsbetreuung auch einbezogen werden, dann sollten wir uns besonders um die Christen mühen. “Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.” (Gal. 6,10)

Pröpstin Lauma Zuševica zur Bischöfin der lettischen lutherischen Kirche im Ausland gewählt.

Pröpstin Lauma Zušēvica ist zur neuen Bischöfin der lettischen lutherischen Kirche im Ausland gewählt worden. Die Dienstordnung dieser Kirche sieht vor, dass der Bischof dieser Kirche für die Dauer von sieben Jahren gewählt wird. Der Oberkirchenrat verleiht ihr/ihm für diese Zeit den Titel Erzbischöfin/Erzbischof.. Die Einführung der neuen Erzbischöfin in ihr Amt könnte bis zum 1. Mai 2015 geschehen.

Die Sitzung der Wahlkommission fand am 15. Oktober  2014 in den Räumen der Kirche in Seatle statt mit dem Ergebnis, dass von den versandten183 Wahlumschlägen 172 eingegangen sind  Es haben Gemeinden aus 10 verschiedenen Ländern abgestimmt – aus den USA, Australien, Belgien, Neuseeland, Kanada, Russland, Lettland, Großbritannien, Deutschland und Schweden.

Für das Amt des Kirchenleiters gab es 3 Bewerber.. Pröpstin Lauma Zušēvica erhielt 140 Stimmen, Propst Andris Abakuks 35 Stimmen und Propst emer. Fritz T. Kristbergs 19 Stimmen. Ein Wahlschein war leer und einer ungültig. Das Wahlergebnis wird vom Oberkirchenrat bestätigt.

Lauma  Zušēvica geborene Lagzdiņa wurde am 3. Juli 1954 in Cleveland geboren, erhielt 1976 den BA in Religionswissenschaften der Universität von Cleveland, setzte ihr Studium an der Yale Universität fort, wo sie 1978 den MA in Religionswissenschaften mit der Spezialität Exegese und Geschichte des NT erhielt. Sie wurde am 4. Juni 1978 in Cleveland von Erzbischof Lūsis ordiniert.

In ihrem Dienst hat sie sich für den besonderen Schwerpunkt Kinder- und Jugendarbeit entschieden. Am 10. Februar 1980 wählte die lettische Kirchengemeinde in New York sie zu ihrer Pfarrerin.

Lauma ist seit dem 12.Juli 1980 mit dem Architekten Ivars Zušēvics verheiratet. Sie haben zwei Töchter und ein Enkelkind. Aus dienstlichen Gründen musste ihr Mann seinen Wohnort wechseln. Das hatte zur Folge, dass Lauma ihre Arbeit in New York aufgeben musste und nach Chicago zog. Sie setzte ihren Dienst in der Leitung der Jugendarbeit fort und hielt Gottesdienste in den Gemeinden der Propstei USA Mitte. 1985 übernahm sie den Dienst in der St. Johannis  Gemeinde in Milwaukee. Dort vereinigten sich 1987 die drei bestehenden

lettischen Kirchengemeinden zur St. Trinitatisgemeinde und Lauma wurde zu deren Pfarrerin ernannt..

Von 1990 bis 1993 leitete Lauma das Dezernat für Erziehung in der Schule und christliche Erziehung. Sie ist mehrere Male in Lettland gewesen und hat sich immer darum gemüht, die Beziehungen zu den Partnergemeinden und zu den Studierenden der Theologischen Fakultät der Universität Lettlands zu beleben.

Im Herbst 1995 wählte die Propstei USA Mitte Lauma zu ihrer Pröpstin. 1998 wurde sie wieder gewählt. 2001 kandidierte sie nicht mehr und nahm ihren Dienst in der Jugendarbeit wieder auf.

2005 wählte die Konferenz der Propstei USA Mitte Lauma zur Leiterin der lettischen lutherischen Kirche in Amerika. Dieses Amt übt sie bis heute aus und ist darüber hinaus als Pfarrerin in Milwaukee tätig. Sie hat auch an mehreren Synoden der Kirche in Lettland teilgenommen und 2010 an der Generalversammlung des Lutherischen Weltbundes in Stuttgart.

Die Oppositionsbewegung der Pfarrer der ELKL – die einzige organisierte Initiative des Ungehorsams in der Zeit des sowjetischen Regimes. Linards Rozentals, Pfarrer der Luthergemeinde in Riga.

In diesem Jahr sind es 30 Jahre her, seit in der Propstei Kuldiga-Dobele unter den Pfarrern eine Oppositionsbewegung entstand, die wir als erste öffentlich organisierte Protestbewegung,

als Widerstand in der jüngsten Vergangenheit unserer Kirche betrachten können, die 1987 entstand, und deren Initiativen radikale Veränderungen bei der Synode im April 1989 zur Folge hatten, als die Kirchenleitung und das Sowjetregime entsprechend der Kirchenverfassung völlig verändert wurden, auch bei den gesellschaftlichen Institutionen, die der Kirche verbunden waren, und die sich gegen das Regime erhoben und damit zu einer sichtbaren Quelle der Kraft wurden bei der nationalen Wiedergeburt und der Erneuerung der Unabhängigkeit Lettlands. Dennoch sind es nicht mehr viele. die das noch wissen oder sich daran erinnern, dass der Anfang dieser Veränderungen noch tiefer in der Zeit des Sowjetregimes der 80er Jahre zu suchen ist. Gerade damals gab es in Lettland wie auch in einigen anderen zum “sozialistischen Lager” gehörenden Ländern Europas Oppositionsbewegungen, doch es ist bezeichnend, dass es im Inneren der lutherischen Kirche einige mutige, zielbewusste und denkende Pfarrer in der Leitung der entstehenden Oppositionsbewegung gab – der ersten und einzigen dieser zahlenmäßig bemerkenswerten Organisationen der Initiative des Ungehorsams in der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands während des Sowjetregimes .

Zu Beginn  der 80er Jahre war die Einstellung des Sowjetregimes gegenüber der Religion auf Stabilität und Bewahrung des  Gleichgewichtes  bei den Beziehungen zwischen der Religion und dem Staat gerichtet. Bereits in den 70er Jahren, als die UdSSR sich vielen Abkommen über die Menschenrechte anschloss, in denen die Einschränkung der religiösen Freiheiten verboten war, fühlte sich das Sowjetregime genötigt, zwischen seinem Verlangen, die eigene bisherige Ideologie und die  aggressive Religionspolitik, die die Vernichtung der Kirchen zum Ziel hatte, einzuschränken und auf das Notwendige zu minimalisieren, und dabei gleichzeitig nach außen hin zu behaupten, dass im Sowjetstaat die Gläubigen nicht unterdrückt würden. Und damit begann dort die ideologische Krise.

Die Oppositionsbewegung der Pfarrer – die einzige organisierte Initiative des Ungehorsams der ELKL während des Sowjetregimes.

Anfang der 80er Jahre entstand in den Propsteien Grobiņa und Kuldīga-Dobele unter den Pfarrern eine Oppositionsbewegung, die wir als den ersten organisierte öffentlichen Protest, Widerstand und  Versuch von Ungehorsam betrachten können, in der Hoffnung, die

Voraussetzungen für einen offenen, menschlichen und wahrhaftigen Lebensraum innerhalb der Kirche zu schaffen,  was auch die in der Kirche herrschenden Autoritäten in ihrer Art der

Kirchenleitung beeinflussen und demokratische, bürgerliche und synodale Elemente in ihre Verwaltung und ihr Leben hereinbringen würde.

Zu den Vorhaben der Bewegung gehörte die Kirche und die Festigung ihrer geistlichen Autorität in der sowjetischen Gesellschaft nach den Prinzipien einer synodalen und demokratischen Verwaltung sowie der öffentlich authentische und der ehrliche Gedankenaustausch und die freie Meinungsäußerung in  den Pfarrkonventen.

Etwa ein Drittel der  Pfarrer der Kirche bestätigten ihre Zugehörigkeit zu dieser Bewegung, dadurch, dass sie ihre Mitgliedschaft erklärten. Das war eine ernst zu nehmende bürgerliche Ansage unter den sowjetischen Verhältnissen und in diesem Regime, wenn man die allgemeine bürgerliche Apathie und die ideologische Lage und die politische Stagnation im Blick behält, die das Herstellen einer Parallele mit der damals aufkommenden Dissidenten Bewegung in Mitteleuropa nahe legt. Die Ideen der Oppositionsbewegung der Pfarrer kann man  jedoch eher als die Sehnsucht nach einer bürgerlichen Gesellschaft innerhalb der Kirche, als Alternative gegenüber dem Sowjetsystem betrachten und nicht als nationale und revolutionäre Bewegung. Ähnlich wie bei den Dissidenten in Mitteleuropa kennzeichnete auch die Oppositionsbewegung hierzulande nicht die Hoffnung auf einen baldigen Zusammenbruch des Sowjetregimes oder dessen Sturz, sondern das Reflektieren auf ein menschliches Überleben in diesem Regime.

Die Entwicklung der Oppositionsbewegung in den Propsteien Grobiņa und Kuldīga-Dobele hing nach meiner Ansicht mehr mit einigen für diese Gegend typischen Voraussetzungen zusammen. Erstens gab es in der Propstei Grobiņa die regelmäßigen Pfarrkonvente oder Pfarrkonferenzen mit einem regen Austausch von Informationen über die kirchliche Situation und die Situation in der Propstei und jedes Mal mit einem besonderen vorbereiteten Referat. Damit wurden diese Konvente schon lange vor dem Entstehen der Oppositionsbewegung zu einem Rahmen des Informations- und Meinungsaustausches sowie offener Diskussionen über die Lage der Kirche. Zweitens haben in beiden Propsteien Anfang der 80er Jahre vor kurzem ordinierte junge Pfarrer Modris Plate, Juris Rubenis und Atis Vaickovskis ihren Dienst in dortigen Kirchengemeinden begonnen. Drittens konnte sich die Oppositionsbewegung in den Propsteien weiter entwickeln, in denen sie von deren Pröpsten unterstützt wurde.

Diese “jungen” Pfarrer sind in Lettland zur Sowjetzeit zur Welt gekommen und haben sich für den Beruf eines Pfarrers ganz bewusst entschieden, wissend. dass sie es mit der sowjetischen ideologischen unabwendbaren Realität zu tun hätten, so dass die Entscheidung für den Beruf eines Pfarrers ein mutiges Bekenntnis war. Sie hatten davor ein Studium anderer Fächer absolviert, die mit dem kirchlichen Leben  nichts zu tun hatten und sahen es als ihren Auftrag an, die Kirche nicht nur vor dem antireligiösen politischen Druck zu bewahren und in einer elastischen Zusammenarbeit mit dem Regime zu leben, sondern die Kirche auch weiter zu entwickeln durch die Gewinnung neuer Gemeindeglieder, das zeitgemäße Profil der Kirche zu beleben und in die Kirche die aktuellen Themen des Alltages hineinzubringen, welche die jungen Menschen beschäftigten aus der Welt der Kultur, Psychologie und den Sozialwissenschaften

Die wichtigste Waffe des Sowjetregimes in ihrem Kampf gegen die Religion war Anfang der 80er Jahre die atheistische Propaganda, doch im Gegensatz dazu ergab die christliche Verkündigung – von wenigen Kirchengemeinden abgesehen – nur ein sehr schwaches Bild. Die Oppositionsbewegung strebte ein überzeugendes Leben als Christ an mit unverkrampften Beziehungen zu den Gleichgesinnten. Doch das bedeutete eine Absage an die eigene Rolle in der bürokratisch ideologische Maschinerie mit Konsequenzen für das eigene Leben, Verzicht auf Wohlstand und Karriere, soziale Isolierung, ja sogar Gefangenschaft und Untergang. Das

war eine existenzielle Entscheidung, sich gegen die kollektive Heuchelei zu stellen, durch die die sowjetische Gesellschaft zusammengehalten wurde. Der Verzicht dieser “jungen” Pfarrer

auf ihre Rolle in der Maschinerie des Sowjetstaates bedeutete auch den Verzicht auf das Akzeptieren einer ihnen zugedachte Rolle innerhalb der kirchlichen Bürokratie. Natürlich müssen wir dabei auch “einen gewissen jugendlichen Maximalismus und Hang zum Aufwiegeln” mit in Betracht ziehen, der sie Ideen verwirklichen ließ, die sonst in die Bereitschaft zum Konformismus und zum Mitspielen des Spieles unter den Regeln des Regimes geführt hätten.

In den Pfarrkonventen dieser beiden Propsteien wurden verschiedene Beschlüsse der Kirchenleitung beraten, kritisiert und oft auch abgelehnt. In diesen Konventen wurden Vorschläge für eine neue Kirchenverfassung erarbeitet und dem Konsistorium vorgelegt.

Diese Eingabe unterstützten mit ihrer Unterschrift 30 Pfarrer von den 92, die das Verzeichnis der Pfarrer am 1. Januar 1983 aufführte, das heißt etwa ein Drittel aller Pfarrer. Insgesamt fanden bis zum 17. Mai, an dem das Konsistorium in einer Verfügung das “Verbot, Konvente im Raume der ELKL zu veranstalten” verkündigte. Trotzdem fanden in der Propstei Grobiņa danach vier und in der Propstei Kuldīga-Dobele fünf Konvente statt.

Das Wirken der Opposition wird im Detail in den Protokollen der Konvente und Synoden dieser beiden Propsteien deutlich, in denen mit einer überraschenden Offenheit und Ehrlichkeit ihr Mut bei ihren Reden von der bürgerlichen Freiheit deutlich wird, was unter sowjetischen Verhältnissen und bei den damaligen ideologischen Fesseln unmöglich zu sein schien.

Die  langjährige Erfahrung der Kirchenleitung, die sie bei ihrem Wirken im Sowjetregime gemacht hatte, verursachte bei ihr keine Aufregung und festigte ihre Einstellung, dass es eine unumstößliche und nicht zu reformierende Tatsache sei, dass sie im Sowjetregime weiterleben müsste und ihm und dem Departement für die Angelegenheiten der Religion als Kirche des Staates völlig unterstellt war. Dieser Zustand erweckte den Eindruck im Blick auf die Form und das Wesen der Institution der Kirchenleitung, dass sich auch darin das Wesen der sowjetischen Bürokratie widerspielte. Damit hatte sich Anfang der 80er Jahre das Konsistorium zu einer selbstzufriedenen stagnierenden Institution entwickelt, deren Tätigkeit mehr auf die Vergangenheit und die Selbsterhaltung und die Wahrung des Status Quo für die ganze Kirche gerichtet war, wobei die geringste Reformbestrebung verdächtig erschien – sowohl im Blick auf die Gesellschaft, als auch auf die Liturgie und den Aufbau der Kirche. Dabei lebte sie in der ständigen Furcht, dass das alles den Unwillen der staatlichen Behörden erregen und das zarte lange Jahre gepflegte Pflänzchen des Gleichgewichtes, welches der Kirche eine gewissen Sicherheit, in einer ihr gegenüber feindlich eingestellten Umgebung zu überleben, verlieh.

Fast alle wichtigsten durch die Oppositionsbewegung aktualisierten Problemfragen, die ihren Auftrag und ihre Ziele prägten, wurden auf den Konventen der Propsteien Kuldīa-Dobele am 19. Oktober 1982 in Saldus und Grobiņa am 14. Dezember 1982 in Liepaja zusammengefasst.

Erstes war das die Forderung einheitlicher Prinzipien im Blick auf die Durchführung von Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen. Diese Forderung wurde notwendig durch die Tatsache, dass viele Pfarrer immer häufiger Menschen tauften und konfirmierten ohne die geringste Vorbereitung, was einen dramatischen Rückgang des Verständnisses des kirchlichen Dienstes zur Folge hatte. Die Kirche geriet in die Gefahr, zu einer Institution zu werden, die rituelle Dienstleistungen anbietet, ohne dass dafür eine Deckung vorhanden wäre,

was mit mancher katholischen Praxis zu vergleichen wäre, und die Qualität der Taufe und Konfirmation zerstörte. Zweitens forderte die Bewegung die Verantwortung der Kirchenleitung für das Bestehen vieler kleiner und schwacher Kirchengemeinden ein und wiesen dabei auf die in diesen Gemeinden nur selten gehaltenen Gottesdienste hin. Drittens

forderte der Konvent eine umfangreichere und geplante Zahl von Kirchenrenovierungen für die ganze Kirche.

Den Kern dieser Oppositionsbewegung bildeten sieben Pfarrer – Aivars Beimanis, Erberts Bikše,  Jēkabs Dzeguze, Andrejs Kavacis, Modris Plāte, Juris Rubenis und Atis Vaickovskis.

Sie versammelten um sich auch andere interessierte Förderer. Doch gab es immer wieder viel Skepsis. In einem Brief beurteilte M. Plāte den Oppositionsprozess ausführlicher. “Nach meinem Empfinden ist in unserer Kirchengeschichte die Tatsache von Bedeutung, dass es in der Kirche Mitarbeiter gibt, die es bisher nur vermocht haben, verschämt und heuchlerisch die kirchliche Realität zu verschweigen, und sie bestenfalls im Gespräch mit dem Amtsbruder unter vier Augen auszusprechen und dabei ängstlich die Umgebung betrachten. ”

Die Kirchenleitung war über den unerbittlichen Ton der Konvente entrüstet und fürchtete sich vor der gegenseitigen Offenheit unter den Pfarrern, was bei den Sowjetbehörden Konsequenzwn zur Folge haben und die allgemeine Lage der Kirche verschlechtern könnte (den Pfarrern wurde die Genehmigung entzogen, in den Kirchengemeinden Dienst zu tun, die Zahl der Schließungen von Kirchen könnte vergrößert werden, es könnten neue Methoden der Unterdrückung angewandt werden) Deshalb erließ das Konsistorium am 17. Mai 1983  eine Verfügung, in der die Veranstaltung von Konventen in der ganzen Kirche untersagt wurde.

Durch dieses Verbot kam der schon vorher nicht sehr erfolgreiche Dialog zwischen der Kirchenleitung und der Opposition völlig zum Stillstand.

Fortsetzung dieses Beitrages in der nächsten Ausgabe

Erzbischof Rozītis: An einer Auferstehung in den Nebelschwaden der Mitra habe ich kein Interesse. Dace Ezera

Es war in diesem Sommer keine Ausnahme, dass der Erzbischof der lettischen lutherischen Gemeinden im Ausland Elmārs Ernsts Rozītis, der 21 Jahre lang die Kirche der im Ausland lebenden lettischen Lutheraner als deren Oberhirte geleitet hatte. Am 1. Mai wird er den Stab des Erzbischofs an seine Nachfolgerin weitergeben. Inzwischen ist es bekannt, dass es die in dieses Amt gewählte Bischöfin Lauma Zušēvica sein wird.. Im Sommer hielt der Erzbischof einen Gottesdienst in der St. Johanniskirche in Aizpute/Hasenpoth, einen Vortrag im Gotteshaus von Nurme anlässlich dessen 420 jährigen Bestehens, und nahm an der Eröffnung der Fotoausstellung “Unserer Oberhirten” teil. Jeder, der ihm begegnet ist, hat die Offenheit, das Einfühlungsvermögen und den warmherzigen Humor des Erzbischofs empfunden, der auch in dem nachfolgenden Interview deutlich wird.

Sie sind in der Stadt Esslingen geboren…

Ja, 1948 bin ich dort geboren. Ich konnte mich noch der ersten Jahre erfreuen, als es dort viele lettische Flüchtlinge gab. Pfarrer, Musiker und andere bedeutende Kulturschaffende. Auch Erzbischof  Teodors Grīnbergs leitete von dort her die Kirche bis zu seinem Tode 1962. In Esslingen gab es ein lettisches Orchester, dort fanden die Liederfeste statt. Zuerst hoffte man, dass wir wieder das nächste Weihnachtsfest in Riga verbringen können würden. Aber das geschah nicht. Damals war es den Letten verboten, am deutschen Wirtschaftsleben teilzunehmen., deshalb konzentrierten sie sich auf das gesellschaftliche und kulturelle Leben.

War es schwer, im Exil zu leben?

Ja. Wenn ich heutein den gleichen Verhältnissen leben müsste wie in den ersten Flüchtlingsjahren, in denen wir uns in einer Metallschüssel wuschen und keinen Komfort kannten. Damals empfand man das nicht so. Im Exil zu leben ist auch eine gewisse Herausforderung. Man sagte mir immer das, was ich auch allen Letten weitergeben möchte, die jetzt irgendwo in der Fremde neu eintreffen: die örtliche Bevölkerung beurteilt uns

danach, wie wir wirklich sind. Jeder von uns ist ein kleiner Botschafter des eigenen Volkes. Und das bedeutet, dass er eine Verantwortung trägt.

Wo haben Sie studiert?

Ich begann und beendete mein Studium in Tübingen, einer Stadt, die etwa 50 Km von Stuttgart entfernt ist. Dort ist eine der alten berühmten Universitäten. Dazwischen lagen Jahre in Hamburg und ein Jahr in Wien. Ich weiß, wo in Wien sich die Theologische Fakultät befindet, doch jeden Abnd hatte ich einen Stehplatz in der Wiener Oper oder in einem der Konzertsäle. Ich liebe die Oper sehr. Wenn für den  Menschen das Entscheidende nicht seine chemische Zusammensetzung ist, sondern sein Verhältnis zu den anderen Kindern Gottes, dann kann man das sehr gut auf der Bühne einer Oper beobachten. Liebe und Tod – genau so wie in der Bibel.

Wenn ich mich in diese Beziehungen eingebunden fühle, dann muss ich darüber nachdenken, was ich im nächsten Augenblick tun werde. Bei dem Kauf einer Karte für die Oper kann ich das mit erleben und daraus lernen. Meine Eltern und Großeltern gingen gerne in die Rigaer Oper. Ich versuche, in Riga keine Möglichkeit auszulassen, zur Oper zu gehen. Auch bei diesem Besuch habe ich “Figaros Hochzeit” und das Ballett “Schwanensee” gesehen. Ich meine, dass man auf der Galerie eine ganz besonders gute Akustik hat, weil sie nicht weit von der Bühne entfernt ist, und mir das Publikum dort besonders gut gefällt. Oper und  Ballett geben das wieder, was das Herz empfindet und aussprechen möchte. Dort kann man sich selbst von außen her betrachten.

Sie beherrschen acht verschiedene Sprachen.

Das Niveau der Beherrschung  ist unterschiedlich. In jüngster Zeit behaupten viele Letten immer wieder, dass man ohne die englische Sprache nicht weiter kommt. Für mich war lettisch meine erste Sprache, denn ich lebte in Esslingen, wo 7000 Letten lebten. Der kleine Junge empfand damals noch keine Notwendigkeit, eine andere Sprache zu erlernen. Aber sobald ich in die Schule kam, musste ich auch die deutsche Sprache erlernen. Als Gymnasiast habe ich neun Jahre lang Latein und sieben Jahre lang Griechisch gelernt. Dann kam Hebräisch dazu. Latein ist eine gewisse Grundlage für viele Sprachen, deshalb war es nicht schwer, sich in anderen Sprachen zu verständigen. Schwerrer fallen mir die französische und spanische Sprache. Der Satzaufbau ist dort sehr kompliziert. Eine völlig neue Welt öffnete sich mir bei der hebräischen Sprache, denn darin öffnet sich eine völlig neue Denkweise.

Von der hebräischen Denkweise und Sprache lernte ich, alle Gedanken nicht in ein System einzuzwängen, sondern die verschiedenen Aspekte nebeneinander bestehen zu lassen. Vielleicht ist die ganze Welt überhaupt nicht systematisch. Wie die Griechen möchten wir alles in ein System einfügen, aber dadurch gehen wir am eigentlichen Leben vorbei. Das Leben als  solches ist wichtig, denn Gott hat es geschaffen in großer Weisheit. Gott sei Dank, dass es keine einzige Ideologie gibt, die gegen das Leben bestehen können wird. Das Leben vermag den festesten Beton zu zerbrechen. Es ist gut, dass wir das Leben lieben und verehren.

Sie haben doch auch Ihren eigenen Stammbaum erforscht?

Ich habe die mündlichen Berichte meiner Großmutter und meines Vaters aufgeschrieben. Bald werde ich die Zeit haben, mich in diese Aufzeichnungen zu vertiefen, Viele nahe Verwandte habe ich nicht. Deshalb war für mich die Kirche und die Gemeinde immer etwas wie eine Familie gewesen. Aber ich weiß, dass ich von meiner Herkunft her ein Livländer bin. Von dort kamen auch meine Vorfahren her. Das Haus meines Vaters wurde durch die Melioration zerstört. Alles sah aus wie eine Mondlandschaft… Es war ihm nicht vergönnt, ein bescheidenes neues Haus aufzubauen, von dem er immer geträumt hatte.. In Lettland gibt es so viele schöne Stellen und eine wunderbare Vielfalt, dass ich für alles offen sein möchte – sei es Kurland oder Lettgallen. Riga ist wiederum eine völlig andere Welt.

Wie viele Kirchengemeinden sind Ihnen anvertraut und ist es nicht schwer, sie alle zu beaufsichtigen?

Es sind weltweit 110 Kirchengemeinden, außer in Afrika und Asien. Eine Propstei ist die Propstei Australien mit Neuseeland. Vier Propsteien befinden sich in Amerika, einzelne

Gemeinden in Südamerika. Europa ist in 3 Propsteien aufgeteilt. Jede Propstei wird von einem Propst oder einer Pröpstin geleitet. Das ist unser Aufbau, der seit dem Ende der 40er Jahre besteht, als viele Letten ihren Heimat verließen. Ebenso wie in Lettland, wird die Arbeit unserer Kirche durch den Oberkirchenrat koordiniert. Soviel wie möglich arbeiten wir mit der Kirche in Lettland zusammen. Jede dieser beiden Kirchen hat ihr eigenes Profil. Es ist gut, wenn wir das gegenseitig anerkennen. Bei uns gilt nach wie vor die Kirchenverfassung des Jahres 1928 und wir achten deren demokratische Kennzeichen. Unsere Kirche ist synodal aufgebaut. Alle Geistlichen und alle Kirchengemeinden bilden die Synode als bestimmende Instanz. Wir beten die Ordnung nicht an, aber sie hilft uns, zu überleben. Es gibt Kirchengemeinden, die nur einmal im Monat zusammen kommen, und andere, in denen in einer Woche mehrere Gottesdienste stattfinden.. In Toronto und in Chicago gibt es zum Beispiel  mehrere lettische Kirchengemeinden. In hohem Maße hängen die Aktivitäten einzelner Kirchengemeinden von einzelnen   Menschen ab. Dabei genügt es, wenn es zwei oder drei unternehmensfreudige Leute gibt, die dann viele andere für den Dienst begeistern.

Die Gemeinden, deren Oberhirte Sie sind, unterscheiden sich doch sehr voneinander.

Ja, sie sind auf vielfache Weise verschieden, denn sie werden von ihrer Umgebung auch in ihrer Sprache geprägt, die wir sprechen, und in der wir unsere Gottesdienste halten. Die Grundlage bildet die lettische Sprache, und meistens fördern unsere Kirchengemeinden auch die Schulen und die Sommerlager. Dennoch werden in unseren Kirchengemeinden zehn andere Sprachen gesprochen. Wir mischen sie hinzu, denn wir möchten die Sprache nicht zu einer Ideoligie machen. Natürlich möchten wir uns von der lettischen Sprache nicht trennen, denn dann würde uns wesentliches verloren gehen. Wir möchten aber auch von unseren Freunden und Bekannten verstanden werden. Wir möchten offen sein, um bei unseren Nachbarn auch das Interessen an unserer Sprache zu wecken und auch auf diese Weise unserer Kirchengemeinde näher zu kommen.

Ihre Ehefrau Vera Volgemute und deren Tochter Liene kommen doch aus Lettland.

Ja, meine Frau ist in Liepaja geboren und ihre Tochter Liene in Aizpute.  Ich selbst habe keine Kinder, aber betrachte die Tochter meiner Frau wie meine eigene Tochter. Sie studiert Theologie, ist begabt und beherrscht mehrere Sprachen. Sie fühlt sich der lebendigen Schöpfung sehr verbunden – nicht nur den Wesen mit zwei Beinen, sondern auch denen mit vier. Meine Frau und ich begleiten sie gerne auf diesem Wege. Das ist auch für uns eine Bereicherung. Wenn einer der Ehegatten keine Kinder hat, der andere aber doch, dann hat das

sein Gutes, das beide zu schätzen wissen.

Sie sind von Erzbischof Vanags getraut worden. Wie kamen Sie zu dieser Wahl

In Lettland gibt es die Ordnung aus der Vorkriegszeit, dass ein Geistlicher ebenso wie auch  in Schweden die Funktionen eines Standesbeamten wahrnehmen kann. So war es eigentlich selbstverständlich, dass ich meinen Amtsbruder um diesen Dienst gebeten habe. Dafür sind wir dankbar. Wir haben den Segen auch vom Bischof von Stockholm Svenungson erhalten. Er war es auch, der Erzbischof Vanags in Riga und mich in Toronto in unsere Ämter als Erzbischöfe eingeführt hatte. Der Dom zu Riga ist ein schönes Gebäude für eine Trauung. Am Tage davor habe ich in einem Abendmahlsgottedienst in der Martinskirche die Predigt gehalten. Später kommst du bei der Trauung selbst nicht zu Wort. Man verlangt von dir nur das Ja oder Nein

Meine Frau hat bereits zur Zeit von Erzbiscof Gailītis die Kinder- und Jugendarbeit sowie der Sonntagsschulen aufgebaut. Sie war Beraterin des Bildungs- und des Justizministers. Sie war Leiterin der Christlichen Schule in Riga, des heutigen Christlichen Gymnasiums. Und genau

in dem Jahr, als wir  heirateten, erlebte sie ihre ersten Abiturienten. Sie ist mit Herz und Seele Pädagogin.

Wie oft besuchen Sie Lettland?

Etwa fünf Mal im Jahr, denn Lettland ist von Süddeutschland nicht weit entfernt. Mein Vater und mein Großvater waren Pfarrer der Martinskirche in Riga. Somit fahre ich jedes Mal wieder zu den Meinen in meine Heimat.

Als die ELKL die lettische Kirchengemeinde in Irland als Kirchengemeinde in ihrer Kirche aufnahm, überlegten beide Kirchen gemeinsam, wie sie künftig in einer solchen Situation verfahren würden. Dabei kam es zu dem Beschluss, dass  es für neu zu gründende Kichengemeinden nicht wichtig sein sollte, wo sie sich befinden. Sie kann selbst frei entscheiden, welcher Kirche sie zugehören möchte. So gibt es zum Beispiel in Riga eine Kirchengemeinde, die sich nach ihrer Gründung dafür entschieden hat, der lettischen Kirche im Ausland anzugehören. Die Hauptsache dabei ist, dass jede Möglichkeit der Zusammenarbeit genutzt wird. Für die lettische Kirche im Ausland ist es wichtig, dass der Glaube und die Freiheit keine Gegensätze sind. So sicher ich auf dem einen Fuß stehe, umso freier vermag ich die nächsten Schritte zu tun. Deshalb sind wir bestrebt, das Gleichgewicht zwischen dem Glauben des Herzens, der brüderlichen Gemeinde und der liberalen Theologie zu wahren, die offen ist für den wahren Dialog mit der Gesellschaft und den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft besonders in der Universität. Die größte Sünde ist die Selbstgerechtigkeit. Diese trennt uns von der Gerechtigkeit Gottes. Wenn irgendeine Kirche oder  einzelne Menschen sich einbilden, dass sie das richtige glauben, aber alle alle anderen irren, dann wird die Zusammenarbeit und das Gespräch nur schwer zustande kommen,

Sie haben die ganze Welt bereist. Ist die Mentalität der Letten an den verschiedenen Stellen unterschiedlich?

Ja. Sie unterscheidet sich sogar auch zwischen den Letten in Kanada und in den USA.

Wenn Sie von einem Unkundigen gefragt würden, wer Gott ist? Was würden Sie ihm sagen?

In der Mehrheit der christlichen Bekenntnisse, besonders bei den Lutheranern, sieht man Gott so, wie ihn Christus gelehrt und durch sein Leben bekannt hatte. Durch ihn wird deutlich, dass Gott die Liebe ist, und die Liebe ist stärker als der Tod. Wir erkennen Gott nicht als irgend eine Theorie, sondern als Person, an die ich mich wenden und den ich anbeten kann. An ihn kann ich mich wenden in Freud und Leid. An eine Theorie kann ich mich nicht wenden – sie würde sich mir gegenüber so gleichgültig verhalten wie ein Stein. Natürlich ist Gott nicht der liebe Onkel, der auf den Wolken sitzt, aber sogar dieser Onkel wäre Gott noch näher und würde ihm mehr entsprechen als die weiseste Theorie.

Haben Sie ein Wunder Gottes erfahen?

Ich denke, dass  ich viele Wunder erfahren habe. Wunder sind die Ausrufungszeichen der Gegenwart Gottes. Auf diese Weise wird deutlich, was man nicht beweisen kann, worüber man sich nur wundern kann. Nach alltäglichem Verständnis wird die Gewöhnung durch die Möglichkeit der ständigen Wiederholung geprägt wie bei den Experimenten in den Naturwissenschaften. Aber im Leben geschehen viele einmalige Dinge. Oft wird das das Allerwichtigste in unserem Leben sein, Müssen wir das, was wir nicht zu wiederholen vermögen, als nicht geschehen betrachten? Zum Beispiel ist jede Begegnung eines Menschen mit Gott ein einmaliges Geschehen, das nicht wiederholt werden kann. Jeder Versuch, ein Wunder zu erklären, entspricht nicht dessen Wesen. Die entsprechende Reaktion ist, dass man sich wundert – sei es aus Freude, sei es aus Entsetzen – und Gott dafür lobt und dankt.

Was sind Engel?

Engel sind als Zeichen der Gegenwart Gottes zu betrachten. Das Antlitz eines Engels ist dem Antlitz eines Menschen ähnlich. Die Gegenwart Gottes wird auf zwei Weisen im Alten und

im Neuen Testament beschrieben. Eine davon ist, dass die ganze Schöpfung angesichts der Allmacht Gottes zu taumeln, zu erbeben und sich zurückzuziehen beginnt. Das nennt man Theophanie. Zum Beispiel wird das im 18. Psalm in aller Ausführlichkeit beschrieben. Die

zweite Weise – du begegnest ihm wie einem oder mehreren anderen Menschen und merkst plötzlich, dass das keine gewöhnliche Menschen sind. Durch sie spricht mit dir einer, der viel mächtiger ist.

Was ist ein Schutzengel?

Das sind jene wunderbare Wesen, die mit ihrer Gegenwart aussagen, dass für Gott jeder Mensch wichtig ist, dass er jedem seine Aufmerksamkeit widmet. Es gibt Menschen, die sagen, dass sie die Gegenwart ihres Schutzengels empfunden hätten. Bei dem Schutzengel empfinden wir die Liebe und Güte Gottes so, wie sie jedem Menschen zugedacht ist – ganz persönlich. Der Schutzengel behütet mich persönlich. Aber er möchte nicht, dass ich deswegen leichtsinnig werde; deswegen belehrt er mich auch gelegentlich. Meine Großmutter sprach oft von den Schutzengeln, und die seien ganz lieb, da sie dem Menschen zur Seite ständen. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch seinen Schutzengel hat. Es ist wichtig, dass wir ihn nicht ablehnen, sondern beachten. Dann werden unsere Schritte sicherer und zielbewusster werden.

Wie haben Sie in Ihrem Leben die Kraft des Gebetes erfahren?

Luther hat gesagt, dass wir an Gott nicht zu zweifeln brauchen, dass er uns helfen wird, besonders dann, wenn wir uns an ihn wenden, aber er entscheidet, wem er diese Hilfe leisten wird. Wir möchten es Gott oft gerne einreden, dass er uns helfen muss. Und wenn er nicht genau das tut, was wir von ihm erwarten, dann  sind wir unzufrieden. Das rechte Gebet zweifelt nicht an Gottes Hilfe, aber es weist Gott auch nicht an, wie diese Hilfe sein müsste. Wer seine Hilfe bestimmen möchte, dem wird sie nicht zu Teil  werden

Das Gebet ist ebenso vielfältig wie das ganze Leben. In der Bibel können wir lesen, und auch Jesus hat es selbst gesagt: Ihr sollt zu Gott nicht so beten, als ob ihr ihn über irgendetwas informieren müsstet, was er bisher nicht bemerkt hätte. Das Gebet spricht das aus, wie es um unser Herz bestellt ist und  das können wir ihm vorlegen. Was wäre das für eine Ehe, in der die Ehegatten nicht miteinander redeten? Ebenso ist es mit dem Gespräch mit Gott. Besonders bedeutsam ist dabei das Vaterunser, das  Jesus diejenigen, die zu ihm gehören. selbst gelehrt hat. Das kann uns helfen, unsere Gedanken, unser Herz und unser Leben auszurichten, Wenn wir das Vaterunser aus ganzem Herzen morgens und abends beten – dann ist das gesegnet, so dass wir das Wichtige vom weniger Wichtigen zu unterscheiden lernen und damit unsere Schritte sicherer werden.

Was ist geistliche Vollmacht? Ohne die kann doch niemand von uns existieren.

Geistliche Vollmacht kann durch solches Beten entstehen, auch durch die Begegnung mit dem Wort Gottes, wie wir es in der Bibel lesen können. Das ist wie das gemeinsame Gehen mit einem nahe stehenden Menschen. Das könnten wir auch mit einer Busfahrt vergleichen, bei der alle Sitzplätze besetzt sind. Ich könnte dann auf meinen Füßen stehen, ohne mich irgendwo festzuhalten, aber im entscheidenden Augenblick wird es entscheidend sein, an irgendeiner Stange Halt zu bekommen.

Übrigens hat die weltbekannte Tänzerin lettischer Herkunft Vija  Vētra erkannt, dass die geistliche Kraft die  Hauptsache in ihrem Leben ist. Alles andere kommt erst danach. Das kann man ihr auch anmerken.Hier geht es um das Gleichgewicht zwischen der geistlichen und körperlichen Kraft, was in ihrer Bewegung und in ihrem Ausdruck deutlich wird.

Für mich ist die Passage von der Auferstehung des Leibes im Glaubensbekenntnis wichtig. Eine Auferstehung im Nebel einer Mitra interessiert mich nicht: Das Ewige Leben ist nicht zu trennen von dem Leben auf dieser Erde.

Wie ist Ihre Einstellung gegenüber der Esoterik?

Während meines Studiums und auch jetzt steht mir der kritische Rationalismus sehr nahe. Natürlich weiß er auch die Grenze zwischen unserem Verstand und dem Gefühl zu ziehen. Es gibt viele Dinge, die für uns bedeutungslos und sinnlos sind. Es gibt auch viele Dinge, die wir

noch nicht kennen, nicht begriffen haben und die uns fraglich erscheinen – persönlich und als menschliches Wesen. Es wäre töricht, das abzustreiten.

Was bedeutet für Sie das Mysterium?

Mysterium ist ein Bediff  mit griechischer Herkunft. So bezeichnete man in der Antike die

Sakramente als Mysterien, was ins Lettischen mit “Geheimnisse” übersetzt wird. Für mich ist es immer wichtig, dass sich das Geheimnis von der Magie unterscheidet, denn die Magie, wenn sie einmal erwähnt wird, verliert ihre Anziehungskraft. Demgegenüber wird ein Geheimnis immer größer, je mehr ich mich in das vertiefe. Es gibt große Geheimnisse. Ein Mensch kann reich sein, wenn er ein Geheimnis hat. Und je weiter  er geht, umso mehr weitet sich sein Blick.

Sie trauen und taufen doch auch Glieder der Kirche?

Ich traue und taufe Menschen sehr gerne. Das ist wunderbar. Das sind die Wegkreuzungen des Lebens. Einerseits ist es gut, wenn der Begleiter in solchen Augenblicken sich mehr oder weniger selbst erblickt, wenn er sich in die Situation einzufühlen vermag. Andererseits ist es gleichzeitig die Aufgabe des Pfarrers, allen denjenigen, die Freude oder Schmerz empfinden, die nächsten Schritte zu zeigen, die sie weiterführen werden: wie sie vom Gipfel der Freude ohne Verletzungen wieder weiterleben oder nicht in die Abgründe des Schmerzes  versinken. Ich denke, dass beide Dinge im Gleichgewicht gehalten werden müssen. Eine Ansprache darf nicht aus einer weiten Entfernung oder hoch von oben kommen, sondern soll jedem eine echte Hilfe sein.

Wie oft besuchen Sie die Gemeinden Ihrer Kirche?

Nach meiner Wahl hatte ich mir vorgenommen, alle Gemeinden im Laufe von drei Jahren besucht zu haben – das sind insgesamt 110 Gemeinden. Das ist mir fast gelungen. Ich möchte erfahren, wie es ihnen geht. Wenn ich einmal dort gewesen bin, muss ich dort künftig wieder erscheinen, wenn es einen besonderen Anlass zur Freude oder Probleme gibt. Manches Mal kann ich big einer Gemeinde sagen: Ich bin bei Euch längere Zeit nicht gewesen, weil es nicht notwendig war – alles bei euch cheap nba jerseys ist gut und in Ordnung. Ihr kommt, Gott sei Dank, auch gut ohne mich zurecht. Wichtig ist dabei, dass jede Gemeinde weiß: wenn meine Hilfe notwendig  sein sollte, dann lasse ich sie und ihren Propst nicht allein und bin sofort zur Stelle. Die Menschen sind sehr dienstfreudig. Das betrifft auch Gemeinden, die keinen eigenen angestellten Seelsorger haben. Immer mehr müssen wir nach Wegen suchen, die kleinen Gemeinden helfen, ihren Alltag mit geistlichem Leben zu füllen. Neben meiner persönlichen Anwesenheit ist eine meiner Hauptaufgaben die Sorge um ihre wirtschaftliche Situation. Ich muss den Kontakt zu den Behörden halten. Dennoch ist mir das Wichtigste der lebendige Kontakt zu den Menschen.

Bleibt da eigentlich noch Luft für die Freizeit?

In meinem Dienst fehlt es nicht an solchen Augenblicken, in denen ich mich frage, ob es nicht ungerecht wäre, dass ich dafür eine Vergütung erhalte. Doch daneben erwähnte ich bereits die Oper, das Ballett und das Theater. Dort erfahre ich ganz bewusst, wie vielseitig und schön menschliche Beziehungen sein können. Außerdem ist es schön, Menschen zu begegnen, die ihren Beruf professionell ausüben. Den Pianisten, der nicht mehr die richtige Taste zu suchen braucht, die Sängerin, bei der ich den Eindruck habe, dass für sie das Singen natürlicher ist als das Sprechen. In meinem Verantwortungsbereich möchte ich gerne im Blick auf die Ewigkeit ebenso professionell sein.

Was sagen Sie zu der heutigen Situation Lettlands?

In der Kirche gibt es keinen Nachwuchs, wie man ihn sich Anfang der 90er Jahre erhofft hatte. Ja, und auf dem Lande sind überhaupt nur noch wenig Menschen übrig geblieben. Deshalb fällt es vielen Kirchengemeinden schwer, ihre Kirche zu versorgen und ihren Pfarrer zu vergüten. Es wäre mir eine Freude, wenn die Kirche und die Gesellschaft einander näher

kommen würden. Die Kirche möchte sich doch nicht als eine merkwürdige Sekte darstellen, sondern wir müssen ihr helfen, auf Gedanken zu kommen, die dazu beitragen, die wertvolle Lebenszeit richtig zu nutzen, denn sie wird uns nur einmal geschenkt. Wenn man sie nicht nutzt, dann ist es eines Tages zu spät. Wie sollen wir heute unser Leben gestalten?

In Verantwortung und Loyalität gegenüber seinem Lande. Ohne Gottesfurcht und ein gutes Gewissen gegenüber der Gesellschaft kann ich mir  eine Entwicklung nur schwer vorstellen. Die Bibel spricht von der Gerechtigkeit als von einem der größten Segensgaben. Das heißt, dass es nicht gleichgültig ist, ob ein Mensch ein gutes oder übles Leben führt. Das Jüngste Gericht gibt es nicht, um den Menschen Angst zu machen, sondern es spricht die Verheißung aus, dass Gott dafür sorgen wird, dass ihm keiner entgehen wird, und dass dabei die Gnade und die Gerechtigkeit miteinander Hand in Hand gehen werden. Wir waren erschüttert über das politische Unwesen, über die Wirtschaftskatastrophe nach der Zerstörung des Kaufhauses Maxima. Was hat sich seitdem verändert?

Kirchengemeinden im Ausland helfen doch auch den Kirchengemeinden in Lettland?

Anfang der 90er Jahre haben wir ein Hilfswerk gegründet, so dass jede Kirchengemeinde in Lettland eine Partnergemeinde im Ausland hat. Da es in Lettland fast 300 Kirchengemeinden gibt, haben die größeren Kirchengemeinden im Ausland mehr als nur eine Partnergemeinde. Im Laufe der Zeit hörten manche Partnerschaftsbeziehungen auf, weiter zu bestehen. Dennoch besteht etwa ein Drittel der Partnerschaftsbeziehungen weiter zum Segen für beide Seiten. Die Grundvoraussetzung ist dabei, dass man dabei einander von Herzen vertraut, alles andere, auch das Finanzielle, kommt danach. Partnerschaften sind nicht gesund, wenn nur einer der Geber ist. Beide Partner sind Geber und Empfänger – finanziell und geistlich. In jüngster Zeit sind Jugendgruppen aus Amerika nach Lettland gefahren und haben dort Kirchengemeinden besucht. Einmal haben sie dort mit Fahrrädern geholfen, in diesem Jahr mit Schuhen. Das sind frohe Schritte.

Wie beurteilen Sie die geistliche Einstellung der in Lettland lebenden Letten im Vergleich mit den Letten im Auslande.

Ebenso wie in Lettland gibt es auch im Ausland etwa die gleiche Zahl von Menschen, die in dem Sinne geistlich leben, dass sie ihr Leben nicht nur materiell betrachten und es von daher beurteilen, aus welchen Bestandteilen sich der menschliche Leib zusammensetzt. Ihre Beziehungen werden durch ihr Leben geprägt. Der einzige Unterschied  ist dabei, dass die Menschen in Lettland während der schweren Jahre oft den Kontakt zu den Gemeinden und Kirchen verloren haben, welche das geistliche Leben verkörpern. Im Ausland waren die Lutheraner, Baptisten und andere Gemeinden ein Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Auch ist für die Letten von Bedeutung, dass wir viele Jahrhunderte lang von fremden Herren beherrscht wurden. Jetzt möchten wir diese Verhältnisse nicht noch einmal haben. Besonders, wenn ein Evangelischer Gott nur in der Distanz des  Gebetes wahrnimmt, möchte er nicht, dass sich jemand dabei dazwischen stellt. Ganz besonders möchten wir uns nicht in die für uns fremden geistlichen Bräuche anderer Völker hineindrängen.

Wie sieht das Credo Ihres Lebens aus?

Ich versuche mein Leben so zu führen, dass es dem entspricht, was ich predige. Das Leben ist ein kostbares Geschenk, bei dem jeder Tag und noch mehr jedes Jahr etwas Einmaliges und Bedeutsames ist. Ich könnte mir die Lebensweisheit von Brigit Bardot aneignen: intensiv arbeiten, intensiv lieben  und intensiv leben. Naturlich dabei wissend, dass “Gott die Liebe ist”. Wir sollten das, was wir gebrauchen, von dem, was wir genießen, unterscheiden können. Für uns als Letten verbindet sich der Genuss gelegentlich mit Ausschweifung. Aber dem, was wir gebrauchen, gehört nicht unser Herz – es ist nur ein Mittel für einen bestimmten Zweck. Demgegenüber ist der wahre Genuss etwas, was wir ohne eine bestimmte Absicht tun. Das Kostbare sollten wir genießen und nicht gebrauchen. So genießen wir das Abendmahl, die

Musik, den Wein, ein Festessen… An einem Abend, an dem wir gemütlich zusammen sitzen und über bestimmte Dinge nachdenken, genießen wir auch diesen Augenblick.

Was war für Sie die Hauptsache bei Ihrem Dienst als Erzbischof, wenn Sie bedenken, dass Sie dieses Amt nach einem halben Jahr in andere Hände legen werden?

Ja, am 1. Mai 2015 werde ich nach 21 Jahren in diesem Amt, in das ich alle 7 Jahre wiedergewählt worden bin, hoffen können, meine Nachfolgerin in London, Milwaukee oder Toronto konsekrieren zu dürfen. Die Hauptsache war für mich das Vertrauen, das ich empfangen und  weitergeben durfte. Dass ich mich auf Versprechen, auf das Glaubensbekenntnis in der Kirche verlassen konnte auch auf vieles andere wie Terminabsprachen oder Abrechnungen. Der Glaube bedarf des Vertrauens. Und dazu kommt der Wunsch, dass Gottes Wort in einer funktionierenden Gemeinschaft lebendig werden möchte, auch in diesen ungewöhnlichen Verhältnissen, in denen die Lettische Kirche im Ausland ihren Dienst tut. Ich hoffe, dass ich damit die Arbeitseifer und die Lebensfreude weitergeben kann.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion:  Mazā Pils iela 4 – Riga LV-1050

Telefon (00371) 67224911

Email:  svetdienasrits{abols}lelb.lv

Internet:  www.svetdienasrits.lv

(Im Internet findet man auch deutsche und englische Texte, sowie  Übersetzungen von Johannes Baumann)

Übersetzung: Johannes Baumann,  Brucknerstr. 24.- 27711 Osterholz-Scharmbeck

Telefon: 04791-13356

Email:  baumann-ohz{abols}arcor.de

Nachwort des Übersetzers.

Zuerst möchte ich meine verehrten Leserinnen und Leser sehr um Entschuldigung bitten dafür, dass es mir nicht gelungen ist, die Ausgaben der Monate September und Oktober zu übersetzen. Allmählich machen sich angesichts meines herannahenden 90. Geburtstages die Bremswirkungen dieses Alters auch bemerkbar.

Die Übersetzung dieser Ausgabe ist für mich auch ein Hineintauchen in die Vergangenheit gewesen. Die lettischen Lutheraner im Ausland haben für ihren Erzbischof Elmārs Ernsts Rozītis als Nachfolgerin Lauma Zušēvica als erste Frau in dieses Amt gewählt. Das lässt mich in meine eigene Vergangenheit zurückblicken. Mit Elmars Ernsts Rozitis verbindet mich eine Jahrzehnte lange Freundschaft. Zu den Merkwürdigkeiten meiner Vita gehört die seltsame Tatsache, dass ich in den Einführungsgottesdiensten von fünf verschiedenen lettischen Bischöfen – Mesters, Gailitis, Kalniņš, Vanags und Rozītis – die Orgel gespielt habe

Ich hoffe, dass meine Leserschaft angesichts dieser Tatsache mir die Übersetzung des ausführlichen Interviews nicht verargt.

Einen  weiteren Einblick in die Geschichte enthält diese Ausgabe mit dem ersten Teil des Beitrages von Linards Rozentals über die Oppositionsbewegung “Wiedergeburt  und Erneuerung” der 80er Jahre in Lettland, die ich damals auch miterlebt habe.

 

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